Boomtown Braunschweig?

Über Stadtbahnen, Bahnstadt und ISEK

Boomtown Braunschweig? Ja, das Fragezeichen kann man streichen: Braunschweig erlebt zur Zeit einen stadt- und verkehrsplanerischen Aufschwung, bei dem man leicht den Überblick verlieren kann. Wir versuchen hier mal, ihn zurückzugewinnen.

Ausbau des Stadtbahnnetzes

Der Ausbau des Stadtbahnnetzes ist auf dem Weg. Bis 2030 sollen 18 km neue Stadtbahntrassen gebaut werden, nachzulesen unter www.stadt-bahn-plus.de. Das Thema haben wir hier bereits gewürdigt. Seitdem haben sich die Vorzugsvarianten für die ersten Ausbaustufen von der Helmstedter Straße nach Rautheim und von der Berliner Straße zum Osten von Volkmarode beschlussreif konkretisiert, so dass die Feinplanung bald beginnen kann.

Bahnstadt – ein neues Stadtquartier

Eine neue Idee ist die „Bahnstadt“: Die noch groben Pläne sehen vor, das Gebiet um den Bahnhof herum zu entwickeln (siehe Bild): Das südliche Ringgleis (A) soll nach Osten weitergebaut werden, südlich des Hauptbahnhofes (B] und beim ehemaligen Ausbesserungswerk (D) könnte Gewerbe entstehen und auf dem ehemaligen Hauptgüterbahnhof (C) ein Wohnquartier. Zunächst geht es nur darum, dass die Stadt in eine städtebauliches Förderprogramm aufgenommen wird, aus dem in den kommenden 15 Jahren 50 Mio € in die Entwicklung (Altlastensanierung, Umbau, verkehrliche Erschließung) des Gebietes fließen könnten, bei einem Eigenanteil der Stadt von einem Drittel. Klingt verlockend, das wären nämlich aus dem städtischen Haushalt „nur“ 1 Mio € jährlich für eine kontinuierliche Aufwertung einer großen Fläche von 144 ha, bei großen Chancen, diese für Wohnen, Gewerbe und nicht zuletzt für das Ringgleis zu nutzen. Allein dafür sind 9 Mio € eingeplant. Der Förderantrag ist unterwegs, man darf gespannt sein.

Teilraumkonzept Viewegsgarten – Bebelhof

Integriertes Stadtentwicklungskonzept Braunschweig 2030

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) ist sozusagen fertig und wurde der Öffentlichkeit im Juni 2018 präsentiert. Es ist kein beschlossener Plan, sondern gibt für jeden Stadtteil an, wo z. B. Flächen umgenutzt werden können, aber auch Verkehrswege freizuhalten oder zu schaffen sind. Das Werk ist seit 2015 an in moderierten Arbeitsgruppen entstanden. Veröffentlicht ist das mehr als 200 Seiten umfassende Werk hier: www.denkdeinestadt.de
Ein Beispiel: Für den Stadtbezirk Viewegs Garten-Bebelhof bietet ISEK die „Bahnstadt“ (siehe oben), aber auch den Erhalt und die Weiterentwicklung (was immer das heißen mag) der Parkanlage an der Kurt-Schumacher-Straße, schönere Stadteinfahrten an der Wolfenbütteler und Salzdahlumer Straße (damit Autofahrende weiterhin gern nach Braunschweig kommen?) und vor allem viele Möglichkeiten für den Radverkehr an. Eine Anbindung vom Brodweg über das Postgleis bis zum Hauptbahnhof, eine Verbindung vom Bebelhof direkt zum Berliner Platz, die Weiterführung des Ringgleises von der Echobrücke über den nicht mehr benötigten Bahndamm zur Helmstedter Straße. Wir Grüne sind gespannt, was vielleicht auch noch aus der Schublade gezogen wird.

Fazit – Boomtown Braunschweig

Kann man jetzt sagen, dass Braunschweigs Bürgerinnen und Bürger ihre Stadt planen? Naja, zumindest die Möglichkeiten, sich zu beteiligen, waren beispielhaft und haben viel Arbeitskraft bei den Stadtplanern in der Verwaltung gebunden. Aber im Ergebnis stehen mehr (manchmal auch weniger) klare öffentliche Konzepte und Entwicklungsperspektiven, an denen sich Häuslebauer, Investoren und Gewerbetreibende orientieren können. Nur was dann wirklich realisiert wird, hängt wie so oft im Leben vom Geld ab, entweder von Zuschüssen von Bund und Land oder von der Initiative von Geldgebern. Außerdem darf man den planerischen Aufwand (zeitlich und personell) nicht unterschätzen. Je mehr Konsens im Vorfeld solcher hochfliegenden Pläne hergestellt wird, desto besser.

Grüne in Braunschweig tragen die konzeptionellen Initiativen gerne in den Stadtbezirksräten und im Rat mit, begleiten sie aber auch kritisch, wenn es sein muss. Das sollten alle anderen auch tun, denn wer in den öffentlichen Veranstaltungen zur Bürgerinformation nicht mitredet, kann auch nichts beeinflussen.

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