Die Erneuerbare-Energien-Bundesligatabelle

Der stellv. Fraktionsvorsitzende der Grünen Bundetagsfraktion hat die Clubs der 1. Bundesliga nach der Nutzung erneuerbarer Energien, Energieeffizienz und Stromtarifen in ihren Vereinen befragt und eine Erneuerbare-Energien-Bundesligatabelle erstellt. Hier sein Bericht:

Die deutschen Fußball-Bundesliga-Vereine sind nicht nur Vorbilder für den internationalen Fußball. Tradition und Innovation sind für die meisten Clubs ein bewährtes Erfolgsrezept. Ganz im Trend von Innovation und Modernisierung steht die unabhängige, dezentrale Energieversorgung von Fußballstadien durch den Einsatz Erneuerbarer Energien, wie z.B. mit Photovoltaikanlagen auf dem Stadiondach oder Wärmepumpen, welche auch den Rasen beheizen können.

Wir haben die Clubs der 1. Bundesliga in diesem Zusammenhang nach der Nutzung Erneuerbarer Energien in ihren Vereinen befragt. Folgende Fragen haben wir dabei an die Präsidenten und Vereinsvorsitzenden gestellt:

  1. Welche Erneuerbaren-Energien-Anlagen gibt es bei Ihnen im Verein zur Stromerzeugung für Ihre Sportstätten und ggf. weitere Vereinsgebäude und welche Strommenge wird damit pro Jahr erzeugt?
  2. Wie viel Prozent des gesamten Strombedarfs deckt der Verein mit diesen Erneuerbaren-Energien-Anlagen ab?
  3. Welche sonstigen Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz hat ihr Verein unternommen?
  4. Welche Verträge mit Ökostrom-Produzenten und Zulieferern existieren und welchen Ökostromanteil am Gesamtstromverbrauch hat der Verein damit?

 

Als Grundlage dienen Selbstauskünfte der Vereine als Antworten auf unsere Anfrage. Wo der Verein keine Information liefern konnte, haben wir keine Punkte vergeben.

Erneuerbare-Energien-Anlagen: 18 Punkte

Um dem tatsächlichen Betrieb und der Leistung von eigenen Erneuerbaren-Energien-Anlagen und energieeffizienten KWK/BHKW in der Tabellenwertung Priorität zu geben, gab es hier 18 Punkte für den Sieger zu holen. Hierbei haben wir die erzeugten Kilowattstunden verglichen und jeweils mehr Punkte für mehr erzeugte Strommenge vergeben. Außerdem haben wir PV-Anlagen vor KWK und BHKW gewertet. Wenn keine kWh erzeugt wurden, weil keine Anlagen vorhanden sind, vergaben wir jeweils 0 Punkte. Bei Gleichstand in der Gesamtpunktzahl haben wir dem Club die bessere Platzierung gegeben, der in dieser Kategorie besser abschnitt.

Anteil am Stromverbrauch: 2 Punkte

Dieses Kriterium haben wir abgefragt, um z.B. Vereinen, die zwar verhältnismäßig wenig erneuerbaren Strom selbst produzieren, aber durch energieeffiziente Bauweise etc. auch nur sehr wenig Strom verbrauchen und einen großen Prozentsatz des Verbrauchs selbst decken, mehr Punkte zu geben. Leider erheben aber scheinbar nur sehr wenige Vereine diese Daten (der FC Ingolstadt z.B. schrieb uns, es gebe keine Zähler) oder nur für bestimmte Gebäude wie z.B. das Stadion. Lediglich der SC Freiburg und der 1.FC Köln gaben den Anteil der EE-Anlagen am Gesamtstromverbrauch an. Da beide Werte zweistellig und unter 50% liegen, vergaben wir jeweils einen Punkt. Alle anderen Vereine erhielten null Punkte mangels Daten oder Vergleichbarkeit. 2 Punkte hätten wir bei einem Selbstversorgungsgrad über 50% vergeben – das gab es aber leider nicht (wobei der SC Freiburg mit 45-50% dicht dran ist!).

 

Effizienz-Maßnahmen: 2 Punkte

Insbesondere, um Anstrengungen der Clubs zur Einsparung von Strom und Ressourcenverbrauch zu honorieren, haben wir Maßnahmen in diesem Bereich abgefragt. Wurden in Teilbereichen Einsparungen erzielt, vergaben wir 1 Punkt. Bei umfassenden Maßnahmen, CO2-Neutralität und/oder einem Umweltzertifikat wie ÖKOPROFIT oder ECOfit vergaben wir 2 Punkte. Einen Club, bei dem wir hier mangels Einsparanstrengungen keinen Punkt vergeben hätten, gab es erfreulicherweise nicht. Hier haben die meisten Vereine schon viel getan.

 

Ökostrom: 2 Punkte

Da viele Clubs ihre erzeugten kWh direkt einspeisen und vergüten lassen, haben wir auch nach dem Ursprung des eingekauften Stroms gefragt. Wurden die Clubs mit Strom aus 100% Erneuerbaren Energiequellen versorgt, vergaben wir 2 Punkte. Bei anteiligem Ökostrom-Bezug 1 Punkt, bei 0% Ökostrom bzw. fehlenden Angaben vergaben wir keine Punkte.

 

Ergebnis:

Es tut sich was beim Fußball! Bei unserer letzten Umfrage im Jahr 2015 hatten 10 Vereine eine PV-Anlage installiert, in diesem Jahr sind es 12 plus einer geplanten. Außerdem haben jetzt fast alle Vereine zertifizierte Energiemanagementsysteme eingeführt, das ist gut für’s Klima und hat Vorbildcharakter. Schön wäre es, wenn die Vereine sich untereinander noch gegenseitig antreiben würden. Bislang ist da kein Verein perfekt, aber es gibt viele schöne Ideen, die in der Summe viel für mehr Klimaschutz bewirken: Mir gefällt z.B. die Idee von Elektrofahrzeugen und Fahrrädern für Mitarbeiter wie z.B. in Wolfsburg und Hoffenheim, die sich auf dem Gelände oder zwischen den verschiedenen Geschäftsstellen bewegen wollen, oder der Fan-Ökostromtarif bei Borussia Dortmund. Da ist manchmal Kreativität nicht nur bei der Spieltaktik gefragt.

Im Detail schnitten die Vereine wie folgt ab:

 

Platz 1: TSG Hoffenheim 1899

Die TSG Hoffenheim hat auf vier verschiedenen Gebäuden PV-Anlagen installiert, die insgesamt über eine Million Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Das zeugt von richtigem Fokus und Stehvermögen und wird mit Tabellenplatz 1 belohnt. Der Einsatz von Elektro-Poolfahrzeugen auf dem Vereinsgelände ist außerdem eine tolle Möglichkeit, um für Elektromobilität zu werben. Und jetzt vielleicht noch ein Ökostrom-Tarif?

Platz 2: SV Werder Bremen

Die Konkurrenz schläft nicht! Mit der immerhin  zweitgrößten  PV-Anlage der derzeit 18 Bundesligaclubs belegt der SV Werder Bremen in der Gesamtwertung trotz Punktegleichstand dennoch vor Dortmund Platz 2 der Tabelle.. Sie produziert jährlich über 800.000 kWh Strom. Eine zusätzliche KWK-Anlage im Weserstadion und 100% Ökostrom-Versorgung hinterlassen einen guten Eindruck, was die Gesamtperformance angeht. Potentiale liegen noch in der Effizienz. Während die Bremer sich noch im Dialog zu Einsparmöglichkeiten befinden, haben andere Clubs wie Wolfsburg längst umfassende Konzepte erarbeitet und angewendet. Vielleicht mal ein Austausch beim Freundschaftsspiel?

Platz 3: Borussia Dortmund

Die Dortmunder können immerhin die drittgrößte PV-Anlage der Bundesligavereine auf dem Dach des Signal Iduna Parks ihr eigen nennen. Leider konnten die Dortmunder uns keine Daten für eine weitere Anlage auf dem Trainingszentrum zur Verfügung stellen, sonst wäre das Ergebnis womöglich noch besser ausgefallen. Die Ökostrom-Kampagne „Strom09“, die Fans den Wechsel zu Ökostrom schmackhaft machen soll, hat Vorbildcharakter. Auf dem Gebiet der Effizienz könnte der BVB noch ein wenig zulegen – hier zeigen die Spitzenreiter, was noch geht. Champions League!

Platz 4: FSV Mainz 05

Auch die Mainzer haben mit 700.000 kWh Jahresertrag eine ganz beachtliche PV-Anlage auf dem Stadiondach, welche sogar schon 2004 installiert wurde und ihnen in diesem Fall trotz Punktegleichstand mit Freiburg den 4. Tabellenplatz sichert. Echte Pioniere also! Der Verein ist für sein vorbildliches betriebliches Umweltmanagement als Mainzer Ökoprofit Unternehmen ausgezeichnet worden, hat ein Energiemanagementsystem installiert und ein jährliches Energieeinsparziel von 1,3%. Immerhin! Da gibt es bei den anderen Clubs sicher gute Anregungen zu holen. Quali!

Platz 5: SC Freiburg

Die Freiburger decken fast 50% des jährlichen Gesamtstrombedarfs mit der eigenen PV-Anlage  – die mit 335.000 kWh allerdings keine rekordverdächtigen Einträge bringt. Das spricht Bände über den scheinbar rekordverdächtig niedrigen Gesamtstromverbrauch des Vereins. Mit ECOfit-Zertifizierung, Holzhackschnitzelanlage, thermischer Solaranlage und zusätzlich 100% Ökostromversorgung eine super Leistung und da fällt dem Management sicher noch mehr ein. Sieger der Herzen!

Platz 6: 1. FC Köln

Die Kölner haben zwar nur eine verhältnismäßig kleine PV-Anlage, können aber mit ihrer Geothermie-Anlage in der Erneuerbaren-Kategorie super punkten. Mit 167.000 erzeugten kWh decken sie gute 20,5% des gesamten Strombedarfs. Wärmepumpen, Solarthermie und Regenwassernutzung sind nur einige der zur Energieeinsparung ergriffenen Maßnahmen, welche mit dem ÖKOPROFIT-Label belohnt wurden. Vielleicht lässt sich beim restlichen Strommix (25% Erneuerbare) noch was herausholen?

Platz 7: FC Bayern München

Die PV-Anlagen auf dem Dach des bayrischen Trainingszentrums liefern rund 31.000 kWh im Jahr. Das macht bei den Bayern den Unterschied im „Torverhältnis“, denn die drei anderen punktgleichen Vereine haben keine eigene Anlage zur Stromproduktion. Effizienzmaßnahmen, welche für die Allianz-Arena schon im Baustadium berücksichtigt wurden, bringen der Spielstätte eine EMAS-Zertifizierung ein. Das Energiesparkonzept: viele kleine Beiträge leisten, um am Ende dann doch einen großen Effekt zu erzielen. Mit 39% Erneuerbaren im Strommix hat der FC allerdings noch Luft nach oben.

Oliver Krischer, MdB

Platz 8: Eintracht Frankfurt

Im Mittelfeld ähnelt sich die Punkte-Performance der Vereine, fast, wie in der echten Budnesliga. Zwar lässt die Statik der Dachkonstruktion der Frankfurter Commerzbank Arena keine PV-Anlagen zu, allerdings sind mittlerweile am Vereinssitz, wo auch Regenwasser genutzt wird, PV-Anlagen zur Warmwasseraufbereitung installiert, die etwa 10% des dort benötigten Strombedarfs decken. Daher trotz Punktegleichstand mit Hamburg und Leipzig diesmal Platz 8. Das Stadion ist bereits mehrfach für seine Energieeffizienz (fast CO2-neutral) zertifiziert worden und bei der Stromversorgung ist die Arena mit 100% Ökostrom bereits „gut versorgt“.

Platz 9: Hamburger SV

In Hamburger Stadion geht bauartbedingt in Sachen Erneuerbare derzeit nach wie vor nichts. Immerhin wird das HSV-Stadion mit 100% Ökostrom versorgt und in verschiedenen Bereichen konnten Einsparungen erzielt werden, z.B. Nutzung der Abwärme der Kühlanlage zur Rasenheizung. Punkte machen kann der HSV trotzdem, nämlich mit dem Neubau des Leistungszentrums, das im Juli in Betrieb geht. Hier wurden Energie und Effizienz mitgedacht: Auf dem Dach wird es eine PV-Anlage geben (leider konnten wir den Ertrag noch nicht einberechnen) und ein energiesparendes Beleuchtungskonzept, so wie 100% Ökostrom. Platz 9, Tendenz steigend!

Platz 10: RB Leipzig

Beim RB Leipzig steckt man auch einige Energie in Nachhaltigkeit. So wurde beim Bau der RedBull-Fußball-Akademie besonders auf Effizienz geachtet, z.B. mit Dachbegrünung, Tageslichtnutzung und einem Energiemanagementsystem. Gerne hätten wir noch die konkrete Leistung der installierten PV-Anlage in die Wertung einbezogen, die uns aber leider nicht mitgeteilt wurde. Außerdem gibt es scheinbar keine EE-Anlagen auf dem Gelände der RedBull-Arena, die allerdings zu mit 100% grünem Strom und Wärme aus dem Fernwärmenetz der Stadt versorgt wird. Insgesamt also noch keine durchgängig solide Performance, aber mit PV und Effizienz im Stadion oder Ökostrom in der Akademie geht vielleicht noch was?

Platz 11: FC Ingolstadt 04

Auch der FC Ingolstadt verfügt über eine PV-Anlage, kann uns aber mangels Zähler nicht mitteilen, wie viele kWh hier generiert werden. Wir nehmen das so zur Kenntnis und freuen uns über das Energiemanagementsystem und die LED-Beleuchtung, welche installiert wurden. Aber beim Ökostrom würde doch sicher noch was gehen!

Platz 12: VFL Wolfsburg

Beim VFL Wolfsburg sind aus statischen Gründen PV-Anlagen auf dem Dach der VW-Arena nicht möglich. Allerdings wird die Erweiterung der VfL-Fußballakademie eine eine eigene Photovoltaik-Anlage bekommen, welche 2017/18 in Betrieb gehen und 31.000 kWh jährlich produzieren wird. Dafür gibt’s Vorschuss-Lorbeeren und Vorsprung vor den Nicht-PVlern. Bereits 2011 wurde das Stadion mit dem ÖKOPROFIT-Zertifikat ausgezeichnet und bezieht zu dem zu 100% Ökostrom. Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht des VfL ist umfassend (z.B. Mobilitätsanalyse und Strategie für Mitarbeiter), transparent präsentiert und selbstkritisch (weiterhin PET-Becher im Stadion). Solide!

Platz 13: Hertha BSC

Auch bei Hertha gibt es noch keine Erneuerbaren-Anlagen, allerdings wird über die Installation einer PV-Anlage auf dem Betonring des Daches nachgedacht. Das wäre mal eine Maßnahme. Die Umsetzung einiger Maßnahmen aus den Bereichen Temperatur und Beleuchtung hat dem Olympiastadion den Gewinn des „Meeting Experts Green Award“ im Jahr 2015 eingebracht und die Hertha-Räumlichkeiten werden ebenfalls zu 100% mit Ökostrom versorgt. Vorschusslorbeeren für die geplante Anlage. Wir sind gespannt, wie es weiter geht – und hoffen, es geht weiter.

Platz 14: FC Augsburg

Leider besitzt der FC-Augsburg keine PV-Anlage, dafür aber das erste CO2-neutrale Fußballstadion der Welt. Durch den klimaneutralen Betrieb der Arena eine Belastung von mehr als 750 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr gespart werden. Ein BHKW und eine Brennstoffzelle in produzieren zusammen 46.650 kWh pro Jahr. Beim Bau des neuen Funktionsgebäudes wird darauf geachtet, dass die CO2-Neutralität erhalten und der eingekaufte Strom ist zu 100% öko. Jetzt vielleicht noch ein paar Solarzellen auf’s Dach – dann geht’s auch aufwärts in der Tabelle?

Platz 15: Borussia Mönchengladbach

Die Gladbacher haben aus diversen baulichen und geologischen Gründen nach wie vor keine Erneuerbaren-Anlagen, allerdings stattdessen ein BHKW mit 255.000kWh Leistung pro Jahr, welches ca. 10% des eigenen Strombedarfs deckt. Das Engagement des Clubs bei der Energieeffizienz ist vorbildlich und zertifiziert; beim Ökostromanteil von 45% könnte die Borussia allerdings noch besser aufgestellt sein. Findet sich hier vielleicht noch ein Anbieter?

Platz 16: SV Darmstadt

In Darmstadt gibt es keine Erneuerbaren-Anlagen, aber immerhin wird seit diesem Jahr mit Fernwärme geheizt und der Rasen mit Niederschlagswasser gegossen. Außerdem kommt der Strom zu 100% aus Erneuerbaren. Das ist schon mal ein guter Anfang und hier findet sich sicher noch die eine oder andere Maßnahme zur Einsparung oder Energieproduktion bei den „Lilien“. Dann klappt’s auch mit der Relegation.

Platz 17: Bayer o4 Leverkusen

Bei den Leverkusenern gibt es nach wie vor keine Erneuerbaren-Energien-Anlagen. Im Rahmen der Energiemanagement-Zertifizierung wird jetzt auf LED-Beleuchtung umgestellt und das Stadion wird mit 100%-Ökostrom versorgt. Aber abseits des Spielfeldes muss da noch was passieren!

Platz 18: FC Schalke 04

Leider ist für die Schalker der Betrieb von Erneuerbaren Anlagen scheinbar (noch?) nicht wirtschaftlich. Für die Umstellung auf LED-Beleuchtung als Energiesparmaßnahme vergeben wir einen Punkt. Leider konnte der Verein uns auch keine konkreten Angaben zum Ökostromanteil machen, deswegen auch hier keine Punkte. Wir sind aber sicher, auf Schalke geht mehr – vielleicht muss man nur nochmal genau hinschauen. Glück auf!

(Quelle: http://www.oliver-krischer.eu/)

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