Gleichstellung und Verkehrsplanung

Frauen und Männer stellen Ansprüche an unseren Stadtraum

Stadt- und Verkehrsplanung steht vor der Aufgabe, die technischen Anforderungen zum Bau von Gebäuden, Straßen, Verkehrs- und Grünflächen mit den Bedürfnissen der Menschen in Einklang zu bringen. Es lohnt die Mühe, die Interessen und Anforderungen von Frauen und Männern an den Stadtraum genauer anzuschauen. Denn es wird sichtbar, dass es Unterschiede gibt. Wir Grüne werben deshalb dafür, Gleichstellung und Verkehrsplanung zusammen zu denken. Dann werden unsere Städte für alle gleichermaßen lebenswerter.

Zu Fuß unterwegs im westlichen Ringgebiet – ein Gender Mainstreaming Projekt

Das Sozialreferat der Stadt Braunschweig vergab zu diesem Thema im Jahr 2008 ein Gutachten. Untersucht wurde, wie das zu Fuß Gehen unter Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer für einen Bereich des Sanierungsgebietes „Westliches Ringgebiet – Soziale Stadt“ verbessert werden kann. Dazu wurden Stadtspaziergänge mit Kindern, Mobilitätseingeschränkten, Seniorinnen und Senioren sowie ein Nachtspaziergang mit Frauen durchgeführt. Während der Stadtspaziergänge erzählten die Teilnehmenden, welche Wege sie in der Regel durch das Quartier zurücklegen. Außerdem bewerteten sie einzelne Kreuzungen, Straßen und Plätze. Abgerundet wurde die Untersuchtung mit Verhaltensbeobachtungen und Zählungen (Radverkehr, Fußgängerinnen und Fußgänger, fließender Verkehr, Parken, Nutzung von Plätzen) zu unterschiedlichen Tageszeiten. Daraus wurden Handlungsempfehlungen für die weitere Planung und Entwicklung des westlichen Ringgebietes abgeleitet.

Ergänzt wurde diese Untersuchung im Jahr 2013 mit Empfehlungen zur Verbesserung des Hauptfußwegenetzes im westlichen Ringgebiet und des Frankfurter Platzes.

Kleine Veränderungen erleichtern den Alltag

Die Ergebnisse der Stadtspaziergänge gaben der Stadt- und Verkehrsplanung viele kleine Anregungen mit auf den Weg. Frauen identifizierten Angsträume. Als Antwort darauf wurden die alten aufgelassenen Friedhöfe im westlichen Ringgebiet eingezäunt und die Durchgänge nachts gesperrt. Zusätzlich erhalten viele Wege, die Querverbinden darstellen, Straßenbeleuchtung. An Fußwegen und entlang des Ringgleises wird das Grün regelmäßig zurückgeschnitten, um eine möglichst weite Sicht zu ermöglichen. Das befördert das subjektive Sicherheitsempfinden.

Ältere Frauen und Männer wünschen sich mehr Sitzgelegenheiten. Damit können sie auf ihren Wegen häufiger eine kurze Rast einlegen und ihren Bewegungsradius vergrößern. Dieser Wunsch führt zu Konflikten mit den Anwohnerinnen und Anwohnern. Denn mehr Bänke ziehen auch Jugendliche und Freilufttrinkende an. Neue Bänke, die eine erhöhte Sitzfläche haben und nicht mehr über eine Lehne verfügen, sind hierfür eine Lösung. Denn die erhöhte Sitzfläche erleichtert älteren Menschen das Aufstehen. Zugleich verhindet die fehlende Sitzfläche, dass Jugendliche auf der Lehne hocken und ihre Füße auf der Sitzfläche abstellen.

Alle Stadtbahnhaltestellen und die überwiegende Anzahl der Bushaltestellen im westlichen Ringgebiet sind barrierefrei ausgebaut, mit Wetterschutz ausgestattet und beleuchtet. Somit ist das Angebot von Bahn und Bus sehr gut und weitgehend barrierefrei erreichbar.

Ältere Menschen wünschen sich mehr Querungshilfen an viel befahrenen Straßen. Denn mit Gehhilfen sind sie langsamer unterwegs. Zugleich vereinfachen Mittelinseln Kindern das Queren dieser Straßen. Sie können dann jeweils eine Richtungsfahrbahn einsehen.

Parken nimmt viel Platz im öffentlichen Raum ein. Außerdem ist das Parken in Kreuzungsbereichen zu verbieten. Zugleich wird mit dem Vorziehen des Gehwegs bis an den Fahrbahnrand das Queren von Straßen erleichtert. Insbesondere für Kinder sind die Straßen dann besser einsehbar. Die Sicherheit steigt, weil auch Auto- und Radfahrende Kinder besser sehen. Insgesamt sollen Gehwege mindestens 2,50 m breit sein und nicht anteilig zum Parken genutzt werden.

Gleichstellung und Verkehrsplanung schafft mehr Gerechtigkeit auf der Straße

Tatsache ist, dass Frauen und Männer in ihrem Alltag unterschiedliche Wege zurücklegen. Frauen übernehmen überproportional häufiger als Männer die Betreuung von Kindern und die Versorgung des Haushalts. Entsprechend führen ihre Wege von zu Hause zum Kindergarten oder zur Schule und weiter zur Arbeit. Der Anteil von Frauen, die in Teilzeit arbeiten, ist deutlich höher als der von Männern. Nach der Arbeit erledigen sie auf dem Weg zum Kindergarten oder nach Hause noch Einkäufe. Auf all diesen Wegen sind sie häufiger zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Stadtbahnen und Bussen unterwegs als Männer.

Daraus folgt, das der Straßenraum gerechter aufgeteilt werden muss. Meistens dominiert der Autoverkehr mit Fahrbahnen und Parkplätzen den Raum. Nicht immer sind mehrere Fahrspuren notwendig. Schmalere Fahrspuren zugunsten von breiteren Fuß- und Radwegen kommen insbesondere den oben genannten Gruppen entgegen. Darüber hinaus reduzieren schmalere Fahrspuren die Geschwindigkeit, was zugleich die Sicherheit erhöht. Gleichstellung und Verkehrsplanung bringt also mehr Lebensqualität in die Städte.

Der nachfolgende Film erläutert, warum eine geschlechtsspezifische Beobachtung und Auswertung wichtige Hinweise für die Arbeit der öffentlichen Verwaltungen gibt:

Juliane Krause, Grüne Braunschweiger Direktkandidatin zur Bundestagswahl 2017, leitete als Verkehrsplanerin das vorgestellte Projekt „Zu Fuß unterwegs im westlichen Ringgebiet“. Sie stellte im Rahmen einer Radtour am 9. August 2017 die Ergebnisse vor.

Weitere Informationen zu Gleichstellung und Verkehrsplanung

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2006) – Gender Mainstreaming im Städtebau

Stadt Braunschweig (2008) – Zu Fuß unterwegs in der Sozialen Stadt – ein Gender Mainstreaming-Projekt

Stadt Braunschweig (2013) – Zu Fuß in der Sozialen Stadt – Qualitätsverbesserung im Hauptfußwegenetz und am Frankfurter Platz

Juliane Krause – Grüne Braunschweiger Direktkandidatin

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