Stadt der Zukunft

Stadtflächen effektiver Nutzen

Städte sind (wieder) attraktiv, mittlerweile wohnen knapp drei Viertel der Deutschen in urbanen Ballungsräumen. Tendenz steigend. Aber wie sollen unsere Städte aussehen, wie lassen sich Wachstum und Entwicklung mit Lebensqualität, Schutz der Natur und sozialem Miteinander vereinbaren? Ein Lösungsansatz für die Stadt der Zukunft ist die nachhaltige Stadt, die den ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten Rechnung trägt.

Nicht alles wirtschaftlichen Aspekten unterordnen

Städte bieten Arbeitsplätze und profitieren besonders von der wirtschaftlichen Entwicklung. Diese guten Rahmenbedingungen gilt es zu erhalten, gleichzeitig darf diesen ökonomischen Aspekten jedoch nicht alles untergeordnet werden. Aus Sicht einer nachhaltigen Stadtplanung sollten Monostrukturen vermieden werden, d. h. die gewerbliche Nutzung sollte mit der Wohnnutzung kombiniert werden und reine Gewerbegebiete die Ausnahme darstellen. Viele gewerbliche Nutzungen sind mit einer Wohnnutzung verträglich und durch die Nutzungsmischung entstehen kurze Wege zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, die nicht nur eine Zeitersparnis bedeuten, sondern auch die Umwelt schonen.

Gewerbliche Standorte sind nicht nur nach funktionalen Aspekten zu planen, sondern sollen auch die Interessen der Beschäftigten berücksichtigen. Diese Interessen äußern sich in einer ansprechenden Arbeitsumgebung mit guter Aufenthaltsqualität, wozu auch Grünflächen gehören. Die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad und dem ÖPNV ist wichtig, damit auch Personen ohne eigenen Pkw ihre Arbeitsstellen gut erreichen können. Dies ist insbesondere für die Personen von Bedeutung, die für die Versorgungsarbeit in den Familien zuständig sind und einen komplexen Tagesablauf haben, jedoch häufig über keinen Pkw verfügen.

Hohe bauliche Dichte für mehr hochwertige Freiräume

Städte bieten den Vorteil, dass sie über eine hohe bauliche Dichte verfügen, d. h. im Verhältnis zur Menge der dort lebenden Menschen wenig Fläche in Anspruch nehmen. Diese hohe bauliche Dichte ist positiv zu bewerten, erfordert jedoch auch einen entsprechenden Ausgleich. Qualitativ hochwertige Freiräume für naturbezogene Erholung, aber auch für sonstige Freizeitaktivitäten sind als Ausgleich erforderlich. Gleichzeitig haben diese Freiräume wichtige ökologische Funktionen, z. B. als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und als Frischluftlieferant zur Reduzierung der Auswirkungen des Klimawandels. Die Stadt der Zukunft erfordert eine neue Balance von Dichte, Offenheit und Mischung. Ein gutes Verhältnis von Dichte und Offenheit trägt dazu bei, eine gesunde Stadt zu schaffen.

Diese Freiräume sind jedoch alleine nicht genug, um die ökologischen Aspekte einer nachhaltigen Stadt ausreichend zu berücksichtigen, da sie häufig einem starken Nutzungsdruck unterliegen. Sie müssen daher um naturnahe Räume ergänzt werden. Räume mit hoher ökologischer Qualität in der Stadt sind zu erhalten und in die städtische Nutzung zu integrieren. Diese Integration ökologischer Aspekte ist auch bei der Siedlungsentwicklung zu berücksichtigen. Bebauungspläne für neue Wohngebiete – aber auch Gewerbegebiete sollten ökologische Festsetzungen beinhalten. Diese reichen von Dach- und Fassadenbegrünung über die Nutzung regenerativer Energien bis zur nachhaltigen Mobilität und der Förderung von Fuß- und Radverkehr. Ein weiterer ökologischer Aspekt einer nachhaltigen Stadt der Zukunft liegt in der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und der Bedeutung der Landwirtschaft für die Stadt. Neben der Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen für den ökologischen Landbau bieten neue Ansätze wie „urban gardening“ die Möglichkeit, Nahrungsmittelanbau im direkten Umfeld der Menschen zu verankern. Das fördert gleichzeitig das soziale Miteinander.

Soziale Durchmischung sichert Gemeinschaft und Wohlbefinden

Leben in der Stadt bedeutet Leben auf engem Raum, bietet aber auch die Möglichkeit, andere Kulturen, Nationalitäten und Lebensweisen kennen zu lernen. Der Slogan „Stadtluft macht frei“ deutet die vielfältigen Möglichkeiten der Lebensgestaltung in der Stadt an. Hierzu ist eine soziale Durchmischung der Stadt erforderlich, einseitige Bevölkerungsstrukturen gilt es zu vermeiden. Ergänzt werden muss die soziale Durchmischung durch eine Unterstützung von außen, mit entsprechenden Angeboten und fachkundigem Personal. Die Stadtquartiere müssen die Voraussetzungen bieten, damit Gemeinschaft entstehen kann. Sie sollten auch die Möglichkeit zur Privatheit bieten. Gemeinsam genutzte Flächen lancieren beispielsweise den Aufbau einer Gemeinschaft, wenn darin auch ein soziales Angebot offeriert wird (z. B. Sportangebot, Musik etc.). Hier wird auch die Verbindung zu den Freiräumen der Stadt deutlich.

Alle diese Aspekte müssen in konkrete Strategien und Maßnahmen der Städte umgesetzt werden. Notwendig ist dazu eine neue Beteiligungskultur, die die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger nach bezahlbarem Wohnraum, verlässlichen Verkehrssystemen sowie eine funktionierenden öffentlichen Ver- und Entsorgung ernst nimmt und berücksichtigt. So lässt sich die nachhaltige Stadt der Zukunft gemeinsam erreichen.

Bahnen und Busse sind das Rückgrat der Mobilität in großen Städten

Wir Grüne wollen die Attraktivität von Stadtbahn und Bussen erhöhen. Der Ausbau der Infrastruktur kostet Geld von wird von Bund und Ländern anteilig finanziert. Doch die Förderrichtlinien des Bundes sehen keine Finanzierung von Straßenbahngleisen in Fahrbahnen vor. Das Relikt aus den 1970er Jahren, nach dem Stadtbahnen nur auf eigenen Gleiskörpern finanziert sind, ist nicht mehr zeitgemäß. Es gibt auch in Braunschweig viele Straßen, in denen ein eigener Gleiskörper weder möglich noch sinnvoll ist. Außerdem ermöglicht die technologische Entwicklung mit intelligenter Ampelschaltung den Vorrang von Bus und Bahnen. Deshalb sollen die Förderrichtlinien des Bundes dringend überarbeitet werden: auch straßengebundene Gleise und die Einrichtung von intelligenter Verkehrslenkung soll gefördert werden.

Braunschweig hat Potenzial zur Stadt der Zukunft

Ich wünsche mir, dass die Stadt Braunschweig hier mutig vorangeht – wie es im Zukunftsbild für Braunschweig (Seite 20ff) formuliert ist. Flächen sind allzu oft verschenkt. Einerseits klagt die Stadt über mangelnde Flächenpotenziale zur weiteren Entwicklung, andererseits nutzt sie wertvolle Fläche nicht sinnvoll aus. Wer beispielsweise die Rahmen- und Bebauungspläne Stöckheim Süd, Trakehnenstraße oder Wenden West betrachtet, sieht vor allem Einfamilien- statt modernen Geschosswohnungsbau. Das ist ärgerlich, weil diese Flächen hervorragend an die leistungsfähige Stadtbahn angeschlossen sind und sich damit für eine nachhaltig, kompakte Bebauung geradezu anbieten. Gekoppelt mit einer Offenheit für verschiedene Bauherrenmodelle (Investoren, Genossenschaften, Baugruppen, etc.) entstehen spannende Quartiere.

Was ist also zu tun, um Städte wie Braunschweig dazu zu ermuntern, zur Stadt der Zukunft zu werden? Wir Grüne werden das Baugesetzbuch kritisch durchforsten, um sinnvolle Ergänzungen oder Streichungen vorzunehmen und somit nachhaltiges Bauen zu fördern. Dazu gehört auch eine Flexibilisierung der Stellplatzverordnungen und –satzungen, die dafür sorgt, dass bei nachhaltigen Mobilitätskonzepten der Nachweis von notwendigen Stellplätzen geringer ausfallen kann. Darüber hinaus können unsere Städte durch Förderprogramme Anreize bekommen, Flächen intensiver zu nutzen. Wer beispielsweise eine höhere Dichte zulässt und zugleich Flächen entsiegelt, erhält für die Entsiegelung finanzielle Unterstützung.

Weitere Informationen

Umweltbundesamt – Die Stadt von Morgen: Die Vision

Agora Verkehrswende – 12 Thesen zur Verkehrswende

Dr. Frank Schröter – Nachhaltigkeit in Verkehrs- und Stadtplanung

Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen GmbH – Nachhaltige Quartiere planen und zertifizieren

Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen GmbH – Nachhaltige Industriegebiete planen

BTW2017 – Juliane Krause: Grüne Braunschweiger Direktkandidatin

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