Foto: Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Braunschweig

Kohleausstieg bei BS | Energy ja – aber wie?

Zur Zukunft der Fernwärme in Braunschweig

Braunschweig, 08. November 2018

Die Verbrennung von Kohle zur Energieerzeugung ist eine der klimaschädlichsten Praktiken mit noch ungeahnten Folgen für die Umwelt und die menschliche Gesundheit. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Braunschweig begrüßt deshalb ausdrücklich, dass der örtliche Energieversorger BS|Energy zukünftig auf Kohle als Brennstoff verzichten und die Energiewende mit voranbringen möchte. Bis Ende 2018 will BS|Energy entscheiden, wie die Erzeugung von Strom und Wärme nach dem Kohleausstieg im Jahr 2022 erfolgen soll. Ginge es nach den Braunschweiger Grünen, würde vor allem die Abwärme der Salzgitter AG genutzt werden.

Grüne sehen Biomasse-Heizkraftwerk kritisch

Der Kreisverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Braunschweig hat sich auf seiner Mitgliederversammlung am 8. November 2018 mit den verschiedenen Varianten beschäftigt. Den Bau eines Biomasse-Heizkraftwerkes sehen wir sehr kritisch: Aus umwelttechnischen Gesichtspunkten hätte die zu bauende Verbrennungsanlage die Kriterien einer Müllverbrennungsanlage zu erfüllen, um die maximalen Grenzwerte für das Abgas einzuhalten. Die Anlieferung der benötigten Holzmengen aus einem Radius von 100 km würde zu einem deutlichen Anstieg des LKW-Verkehrs in Braunschweig führen. Es wäre mit etwa 10.000 LKW-Fahrten für die Holzschnitzlieferungen pro Jahr ins Heizkraftwerk Mitte zu rechnen. Die Reduzierung der Schadstoffbelastung für die Anwohner im Umfeld des Heizkraftwerkes Mitte wäre aufgrund des hohen LKW-Aufkommens gering. Der CO2-Fußabdruck für die Wärmeerzeugung würde über die Verkehrsemissionen ebenfalls steigen. Außerdem würde die Verbrennung eines nicht unbedeutenden Anteils der benötigten Holzlieferungen in Konkurrenz zu der favorisierten stofflichen Nutzung des Holzes treten. Biomassen, so auch Altholz, müssen zukünftig im Rahmen der Dekarbonisierung soweit wie möglich recycelt und stofflich verwertet werden, bevor sie thermisch genutzt werden. Insbesondere Altholz der Kategorie A I kann direkt stofflich verwertet werden, z.B. für Span- und Faserplatten, und ist daher ein Wertstoff, der nicht verheizt werden sollte – das Umweltbundesamt selbst empfiehlt eine Kaskadennutzung. Die große Volatilität und die tendenziell zu erwartende Steigerung der Holzpreise in der Zukunft stellen ein weiteres enormes Risiko für den wirtschaftlichen Betrieb des Biomasse-Heizkraftwerkes dar. Falls die Variante „Biomassekraftwerk“ gewählt wird, sollte ausgeschlossen werden, dass stofflich nutzbares Altholz der Kategorie I verbrannt wird.

Eine wichtige Weichenstellung

Die Entscheidung, die BS|Energy für die Energie- und Wärmeversorgung der Stadt Braunschweig trifft, wird eine wichtige Weichenstellung für die nächsten 20 bis 30 Jahre. In einer Zeit, in der der Klimawandel auch in unseren gemäßigten Breitengraden sichtbar wird und Deutschland sich im Pariser-Klimaabkommen dazu verpflichtet hat, seinen Beitrag für eine Begrenzung des Klimawandels zu leisten, sollten wir uns in Braunschweig für das ökonomisch sinnvollste, klimapolitisch wirksamste und zukunftsfähigste Szenario entscheiden. Bündnis 90/Die Grünen Braunschweig unterstützt daher eine Kombination aus Abwärmenutzung der Salzgitter AG und dem Gasturbinenheizkraftwerk. Dabei sehen wir es natürlich als Pflicht des Arbeitgebers BS|Energy an, für möglicherweise notwendige Veränderungen in Bezug auf die Arbeitsplätze sozial-verträgliche Lösungen zu finden.

Wir bedauern, dass eine so wichtige und zukunftsweisende Entscheidung nicht ausführlicher mit den Bürgerinnen und Bürgern Braunschweigs diskutiert wird.

Hintergrund

Der Braunschweiger Energieversorger BS|Energy prüft zurzeit verschiedene Varianten, die dann kombiniert werden sollen, um Strom und Wärme zu erzeugen, da ab dem Jahr 2022 das Kohleheizkraftwerk Mitte vom Netz genommen werden soll. Neben der Nutzung der Variante, die Abwärme aus der Stahlproduktion der Salzgitter AG zu nutzen, wurden auch Anträge für den Bau eines Gasturbinen-Heizkraftwerks sowie eines Biomasse-Heizkraftwerks beim Gewerbeaufsichtsamt eingereicht.

Die drei Varianten:

1. Abwärmenutzung der Salzgitter AG

Bei dieser Variante wird die bisher nicht genutzte Abwärme aus der Stahlproduktion mit einer ca. 18 Kilometer langen Fernwärmeleitung von Salzgitter nach Braunschweig transportiert und in das Braunschweiger Wärmenetz eingespeist. Damit könnte ganzjährig ca. 50% der benötigten Wärmeleistung zur Verfügung gestellt und eine Fernwärmeversorgung erreicht werden, welche unabhängig von schwankenden Rohstoffpreisen an den Strom- und Energiemärkten wäre. Die Abwärmenutzung stellt eine effiziente und CO2-freie Wärmeversorgung dar. Es bestehen allerdings planerische Herausforderungen beim Bau der Fernwärmeleitung größtenteils über landwirtschaftlich genutzte Flächen zwischen Salzgitter und Braunschweig.

2. Gasturbinenheizkraftwerk

Dieser Plan sieht vor, durch die Verbrennung von Erdgas einen Generator für die Stromerzeugung in Bewegung zu setzen. Gleichzeitig wird mit dem noch heißen Abgas Fernwärme erzeugt. Eine Gasturbine kann schnell gestartet und daher sehr flexibel eingesetzt werden kann. Mit ihrem zugleich hohen Wirkungsgrad kann sie dann schnell Strom oder Wärme liefern, wenn ein hoher Bedarf besteht. Das ist ein bedeutender Beitrag zur Stabilisierung der Energie- und Wärmeversorgung in der Region Braunschweig.

3. Biomasse-Heizkraftwerk

Bei Realisierung eines Biomasse-Heizkraftwerks an der Hamburger Straße würde Altholz der Klassen A I bis A IV, sowie Landschaftspflegeholz verbrannt werden. Das bedeutet, dass sowohl unbehandeltes Holz aus Forsten und aus der Landschaftspflege genauso dazugehört, wie behandeltes Altholz von Bahnschwellen, Holzfenstern und aus Bauschutt. Ein Großteil der Brennstoffe würde mit LKWs geliefert werden, was aufgrund der geringeren Energiedichte darüber hinaus zu einem erheblichen Anstieg der LKW-Fahrten in der Region und insbesondere im Norden Braunschweigs führen würde.

Beschluss des KV Braunschweig zur Zukunft der Fernwärme in Braunschweig

Beschluss der Landesdelegiertenkonferenz „Niedersachsen kohlefrei“

 

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