Sichtbarkeit von Frauen im Sport

Das Thema „Sichtbarkeit  und Gleichstellung von Frauen im Sport“ muss differenziert betrachtet werden.“, erläutert Anna Krause, Mannschaftskapitänin der Bundesliga-Damen der Eintracht Braunschweig. „Einerseits gibt es die Leistungssportlerinnen, welche dem ständigen Kampf um Anerkennung ihrer sportlichen Leistungen ausgesetzt sind, andererseits spielt aber auch der Breitensport für Frauen eine entscheidende Rolle, denn dieser bietet einen Zugang zu sozialen Kreisen.

Deutlich ist, dass der Zugang für Frauen zum Sport schwieriger ist als für Männer. Einen Volksport wie Fußball für Männer, welchen man eben in jedem Dorf betreiben kann, gibt es in dieser Form für Frauen nicht. Hier müssen deutlich mehr Möglichkeiten und vor allem leichtere Zugangswege für Frauen hinein in den Breitensport geschaffen werden.

Der Sport soll politisch unabhängig sein, was die Eingriffsmöglichkeiten für die Politik natürlich in großem Maße verringert. Dennoch ist dem Sport an sich eine gewisse politische Stellung und Macht nicht abzusprechen. Er ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, was man unter anderem an der finanziellen Diskrepanz und der unterschiedlichen medialen Aufmerksamkeit von Männer- und Frauensport sieht.

Die Vereinbarkeit von Sport und Ausbildung, Studium oder Beruf hat sich in der Diskussion als ein Kernproblem herausgestellt. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Fördermittel, sondern auch um das Schaffen von Möglichkeiten, Sport und Familie zu vereinbaren. 

Ist es möglich, wieder in den Leistungssport zurückzukehren, wenn man Kinder bekommen hat? Viele Frauen beenden ihre sportliche Laufbahn, wenn sie Kinder bekommen. Häufig bedeutet das also, dass sportliche Karrieren kürzer andauern, als die von Männern und dass Frauen sich entscheiden müssen.

Anna Krause ist Mannschaftskapitänin der 1. Damen-Mannschaft von Eintracht Braunschweig, die zur Zeit in der 2. Hockey-Bundesliga Nord auf Punktejagd gehen.

Neben Anna Krause referierten am 23. Februar 2020 im Rahmen der Bundesarbeitsgemeinschaft Sportpolitik im Braunschweiger Haus der Kulturen Ricarda Lang, frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, sowie Nina Müller, Gründerin von sports f. Aufbauend darauf wurden gemeinsam mit Tagungsteilnehmer*innen zur grundlegenden Verbesserung der Situation von Frauen im Sport verschiedene Ansätze diskutiert. Die Tagungsteilnehmer*innen stellten im Verlauf der Podiumsdiskussion (Bild ganz oben v.l.n.r.: Natascha Kauder, BAG Sportpolitik, Ricarda Lang, Bundesvorstand, Nina Müller, sports f und Anna Krause, Eintracht Braunschweig) mehrere Ebenen des Themas in den Mittelpunkt der Veranstaltung:

  • Entscheidungsinstanzen: Besetzung der Vorstände  
  • Zielgruppenorientierte Ansprache in Ausschreibungen 
  • Einführung einer Quotenregelung: begleitet von Förderung und Empowerment
  • Erweiterung der Satzung: Förderung als fester Bestandteil
  • Aktivierung sichtbarer Vorbilder
  • Equal Pay: Verteilung und Förderung
  • Zugangsmöglichkeiten zu Sport
  • Öffentlichkeitsarbeit: Sendezeiten und Debatten
  • Sensibilisierung: sexualisierte Gewalt
  • Diskriminierungsfreie Kleidungsvorschriften für Sportlerinnen
  • Geschlechtergerechte Ausstattung von Sportstätten

Hier wurden verschiedene Handlungsbedarfe und Ziele deutlich. Dabei entwickelten sich zwei Schwerpunkte:

  • Das Durchführen einer repräsentative Umfrage
  • Die Notwendigkeit der Anerkennung von Ehren- und Schöff*innenämtern

Mein Resümee: Wenn Gleichstellung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen werden soll, ist es notwendig, sinnvoll und höchste Zeit dieses Thema auf die Agenda zu setzen und Worten Taten folgen zu lassen. Sport gehört zu den maßgeblich integrationsrelevanten und gesundheitsfördernden Bereichen unserer Gesellschaft. Auch ist Sport ein Wirtschaftsfaktor. Er ist Teil unserer Kultur. Hierbei und hierüber werden Werte und Normen  geformt und vermittelt. Der Zugang zu Sport und sportlichem Erfolg gelingt nur unter bestimmten Voraussetzungen. In vielen Sportarten aber sind Frauen heute noch benachteiligt. Hier braucht es ein neues Bewusstsein, denn Vielfalt ermöglicht nicht nur Chancen für Einzelne, Vielfalt bietet auch Möglichkeiten für die Gesamtgesellschaft.

Dieser Beitrag ist von Sahra Nell für die AG Sport

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