Umfrageergebnisse – Frauen in Funktionsstellen im Braunschweiger Sport

Aus den Daten des Landessportbundes von 2019 geht hervor, dass der Stadtsportbund Braunschweig mit über 63.000 Mitgliedern zu 41% aus weiblichen Vereinsmitgliedern besteht. Bei der Suche auf den Vereinswebsites nach Frauen im Vereinsvorstand bietet sich ein gänzlich anderes Bild. Nach aktueller Kenntnis ist leider die einzige Vorstandsvorsitzende der größeren Braunschweiger Sportvereine Ende September aus dem Amt zurückgetreten. Nicht anders ist der Eindruck bei anderen Funktionsstellen im Vorstand, der Geschäftsführung und der Leitung von Vereinssparten. Nach Schätzung sind Frauen nur zu ca. 10% in Funktionsstellen anzutreffen.

Somit ist klar, Funktionsstellen im Sport sind zu einem überproportionalen Anteil durch Männer besetzt, meist im fortgeschrittenen Alter. Fraglich ist die Interpretation dieses Ist-Zustandes. Gibt es systematische Gründe, die Frauen fern von Funktionsstellen halten? Gibt es gar beabsichtige Prozesse oder eine zu stark männlich geprägte Vereinskultur? Oder versuchen die Vereine ihr Möglichstes, um Frauen zu aktivieren und leiden darunter, dass speziell die ehrenamtliche Arbeit auf zu wenigen Schultern verteilt wird? In einer positiven Lesart könnte auch geschlussfolgert werden, dass es überwiegend Männern im fortgeschrittenen Alter zu verdanken ist, dass gesellschaftliche und soziale Vorteile durch den Vereinssport fortbestehen.

Um die Zusammenhänge verstehen zu können, hat die AG-Sport von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Braunschweig im Oktober eine Umfrage durchgeführt. Zur Zielgruppe gehörten all jene Frauen, die über die Websites der Vereine in Funktionsstellen ausfindig gemacht werden konnten. Von 135 Angeschriebenen nahmen 46 aktiv an der Umfrage teil. An dieser Stelle vielen Dank für die sensationelle Beteiligung von 34%.

Die Ergebnisse sind einerseits überraschend und anderseits schwer in direkte Maßnahmen zu überführen. Die Gesamtauswertung kann gerne angefordert werden unter gordon.schnepel@gruene-braunschweig.de.

Erfreulich ist, dass nur wenige systematische Prozesse des „unter-sich-bleibens“ oder ein vorherrschender Sexismus als Ursache ansehen. Jedoch wird die Vereinskultur als Begründung der zu geringen Beteiligung durch Frauen aufgeführt. Aber es wird auch anerkannt, dass Vereine versuchen Frauen zu aktivieren, Gelegenheiten aber nicht ausreichend genutzt werden. Resultierend aus freien Kommentaren wird oft ein generelles Generationsproblem vermutet.

Welche Bedingungen sollten erfüllt sein, damit eine bessere Repräsentanz von Frauen in Funktionsstellen eintritt? Eine verbindliche Quotenregelung wird sehr kritisch gesehen. Eher besteht Hoffnung, dass ein Generationswechsel die Problematik auflöst. Auch wäre laut der Befragten förderlich, wenn es mehr weibliche Vorbilder in Funktionsstellen gäbe. Viele Antworten bejahen auch, dass es eine weniger männlich geprägte Vereinskultur benötigen würde.

Im Anblick der gesammelten Ergebnisse und der offenen Kommentare wird geschlussfolgert, dass kein schneller Wandel eintreten wird, wenn nicht proaktiv geeignete Maßnahmen in den Vereinen und dem Stadtsportbund getroffen werden. Die Maßnahmen sollten dabei wir folgt aussehen:

  • Spezielle Mentoring-Programme für Frauen im Braunschweiger Sport aufbauen
  • Ressourcen und Initiativen des Landessportbundes und des DOSB integrieren – z.B. „Frauen fit für Führung – Führung fit für Frauen“ & „WomenPowerDay“ des LSB
  • Freiwillige Quotierungen bei großen Vereinen und dem SSB einführen
  • Das Präsidial- und Vizesystem durch Doppelspitzen ersetzten
  • Arbeitskreise für Frauen in Funktionsstellen im Braunschweiger Sport ausweiten

Ein Beitrag von Gordon Schnepel für die AG-Sport von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Braunschweig

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